Der AI-Chip-Wettbewerb geht mittlerweile über die reine Rechenleistung hinaus und mündet in den „Übertragungskrieg“ innerhalb von Rechenzentren. Laut Meldungen aus dem Ausland plant AMD eine Zusammenarbeit mit GlobalFoundries, um für den nächsten Instinct MI500 AI-Beschleuniger ein Lösungskonzept für optische Integrationsverfahren mit zusammengepackten Bauteilen (Co-Packaged Optics, CPO) zu entwickeln. Dabei sollen optische Bauteile noch enger in die Verpackungsarchitektur integriert werden, um die Engpässe herkömmlicher Kupferleitungs-Interconnects bei Bandbreite, Leistungsaufnahme und Latenz zu verringern.
Wenn die Meldungen stimmen, ist das nicht nur ein wichtiger Ausbau von AMDs KI-Infrastruktur, sondern bedeutet auch, dass die Silizium-Photonik zum zentralen Schlachtfeld im nächsten Datacenter-Duell zwischen AMD und NVIDIA geworden ist.
AMD MI500 CPO-Architektur stammt von GlobalFoundries
Was CPO im Kern ist: vereinfacht gesagt werden der Licht-Engine und der GPU, der Switch oder andere Komponenten für Hochleistungsrechnen in sehr kurzer Distanz gemeinsam in einem Paket integriert, um die Übertragungsstrecke für Hochgeschwindigkeitstelekommunikationssignale zu verkürzen. Das Ziel besteht darin, durch optische Verbindungen einen Teil der energieintensiven und durch die Distanz begrenzten Kupferverbindungen zu ersetzen und so die Bandbreitendichte, die Leistungsaufnahme und die Latenzeffizienz der Datenzentren in der Schrank-internen, zwischen Schranken sowie in noch größeren Maßstabs-Interconnects zu verbessern.
GlobalFoundries setzt in den letzten Jahren aktiv auf eine Silizium-Photonik-Plattform; auch offiziell wird sie eindeutig als Schlüsseltechnologie zur Deckung der Anforderungen von Rechenzentren an Hochgeschwindigkeits- und energiearme Verbindungen positioniert.
Der Bericht zufolge wird die MI500-CPO-Architektur, die AMD in diesem Plan vorsieht, von GlobalFoundries mit der Herstellung photonikintegrierter Schaltkreise (PIC) verantwortet, während die Verpackung von ASE übernommen wird, das zur Gruppe der ASE (Advanced Semiconductor Engineering) gehört. Diese Lieferketten-Anordnung zeigt, dass AMD möglicherweise die fortschrittlichen Prozess-Computing-Chips und die optischen Interconnect-Module getrennt behandeln möchte, sodass verschiedene Zulieferer jeweils die für sie am besten passende Aufgabe übernehmen und so die gesamte Verpackungs- und Interconnect-Performance der KI-Beschleuniger weiter gestärkt wird.
2025 AMD kauft Silizium-Photonik-Startup Enosemi auf
AMD hat diesen Schritt in Wahrheit schon früh vorbereitet. Das Unternehmen hat 2025 das Silizium-Photonik-Startup Enosemi übernommen und dabei ausdrücklich erklärt, dass dies dazu dient, Innovationen beim Co-Packaged Optics zu beschleunigen. AMD hatte damals auch bereits gesagt, dass Enosemi ursprünglich ein externer Entwicklungs-Partner für Photonik bei ihm war; nach der Übernahme dürfte es möglich sein, die entsprechenden Fähigkeiten noch stärker in die eigene KI-System-Roadmap zu integrieren. Mit anderen Worten: Falls MI500 am Ende wirklich CPO einführt, ist das eher eine Fortsetzung der vergangenen über ein Jahr laufenden Strategie zur optischen Vernetzung bei AMD und weniger ein spontaner Einfall.
Laut offizieller Roadmap hat AMD bestätigt, dass Instinct MI500 2027 auf den Markt kommt. Es wird die CDNA-6-Architektur, ein fortschrittliches 2-Nanometer-Verfahren und HBM4E-Speicher verwenden und behauptet, dass im Vergleich zu dem 2023 eingeführten MI300X die MI500-Serie beim KI-Performance-Wachstum auf bis zu 1000-fache Steigerung abzielt. Das bedeutet, dass AMDs Positionierung von MI500 nicht nur als Nachfolgeprodukt von MI400 gedacht ist, sondern als Flaggschiff-Waffe für die nächste Welle von KI-Rechenzentrumsplattformen.
In Systemen dieses Niveaus ist die Bedeutung von Packaging und Interconnect bereits nicht weniger als die eines einzelnen Chips; CPO wird daher zu einer technisch sehr strategisch bedeutsamen Option.
Wer profitiert von AMD MI500, Händler nennen diese vier Titel
Darüber hinaus hat der Trader Serenity aus Sicht der Lieferkette eine weitere, noch spekulativere Ableitung genannt. Er sagte, falls AMD tatsächlich den MI500-Co-Packaged-Optics-Plan entlang des Silizium-Photonik-Ökosystems von GlobalFoundries vorantreibt, wird der Markt nicht nur AMD und GlobalFoundries selbst beobachten, sondern möglicherweise auch den Blick auf externe Anbieter von Laserlichtquellen richten.
Denn in der CPO-/Silizium-Photonik-Architektur entsteht das optische Signal nicht von selbst; das System benötigt weiterhin stabile externe Laserlichtquellen als „Licht-Engine“, während die Photonik-Chips anschließend die Modulation, Übertragung und den Austausch der Signale übernehmen.
Die im Artikel von Serenity erwähnten wenigen Zielwerte sind jeweils AMD, GFS, SIVE und LITE. Dabei ist AMD der Konzern von Supermicro, GFS ist die US-amerikanische Foundry GlobalFoundries; SIVE bezeichnet das schwedische börsennotierte Unternehmen Sivers Semiconductors, dessen Sivers Photonics sich auf Hochleistungs-DFB-Laser und Laser-Arrays konzentriert. LITE ist wiederum das an der US-Börse gelistete Unternehmen Lumentum, das ein weltweit großer Anbieter von optischen Kommunikations- und Laserbauteilen ist.
Auf der offiziellen Website von Sivers wird eindeutig erwähnt, dass die Produkte des Unternehmens Hochleistungs-DFB-Lasers und Laser-Arrays umfassen, die für KI-Rechenzentren und HPC-Anwendungen genutzt werden; Lumentum hatte bereits 2022 angekündigt, mit Ayar Labs zusammenzuarbeiten, um externe Laserlichtquellen zu liefern, die den CW-WDM-MSA-Standards entsprechen, für Co-Packaged-Optics-Interconnect-Lösungen.
Serenitys „bullischer“ Logik für Sivers zufolge besteht der entscheidende Punkt darin: Wenn der von AMD schließlich ausgewählte MI500-CPO-Ansatz die Einführung gut massenproduzierbarer externer Laser-Arrays erfordert, dann könnten Unternehmen wie Sivers, die sich auf Laser-Arrays spezialisiert haben und bereits im CPO-Ökosystem nachweisbare Erfolge vorweisen, zu den Profiteuren gehören.
Sivers hatte zuvor bereits den Auftrag von Ayar Labs erhalten, um für die optische I/O-Lösung die nächste Generation von Laser-Arrays zu entwickeln; und auch die Inhalte der Zusammenarbeit haben die Themen Massenproduktions-Preisgestaltung und die Vorbereitung auf die künftige großskalige Fertigung ausdrücklich erwähnt. Genau deshalb glaubt Serenity: Falls Sivers in Zukunft erfolgreich in die Lieferkette von AMD MI500 gelangt, könnte der Markt den potenziellen Auftragswert dieser Sparte noch nicht vollständig eingepreist haben.
Ein Nutzer von X, @AntonLaVay, weist darauf hin, dass Sivers in den letzten Jahren nicht nur eine Bewertung für ein doppeltes Listing an der Nasdaq gestartet hat, sondern auch das Machtzentrum der Geschäftsführung deutlich in Richtung eines US-Teams verschoben wurde. Für ein schwedisches mittelgroßes Technologieunternehmen ist es ziemlich ungewöhnlich, dass sowohl der Vorsitzende als auch der CEO gleichzeitig von Amerikanern übernommen werden; das könnte bedeuten, dass das Unternehmen sich auf eine US-Übernahme vorbereitet oder eine weitere US-Vermarktung. Wenn dieser Trend anhält, dürfte die Marktsicht auf Sivers weniger nur ein CPO-Thema-Aktie sein, sondern eher eine strategische Zielgröße, die tiefer in die US-amerikanische KI-Lieferkette eingebettet ist.
Allerdings muss man hier nach wie vor betonen: Serenitys Schlussfolgerungen sind derzeit noch „Lieferketten-Imagination“ und keine bestätigte Kooperationsliste, die von AMD oder GlobalFoundries belegt worden ist. Aktuell lässt sich Folgendes bestätigen: Externe Laserlichtquellen sind tatsächlich ein wichtiger Bestandteil des CPO-Ökosystems, und sowohl Lumentum als auch Sivers sind auch in den relevanten optischen Interconnect- und CW-WDM-MSA-Ökosystemen vertreten; welche Laserlichtanbieter AMD MI500 letztlich einsetzt, ob es mehrere Quellen geben wird, sowie der tatsächliche Zeitplan und das Ausmaß der Massenproduktion, müssen jedoch durch weitere offizielle Informationen im Nachgang geklärt werden.
Dieser Artikel: „Marktweit kursiert, dass AMD gemeinsam mit GlobalFoundries in die Silizium-Photonik vorstößt; Händler nennen diese vier Titel“ Erstmals erschienen bei „Ketten-News ABMedia“.
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